Thursday, April 19th, 2007...5:16 pm
Porn 2.0 - die ersten Anbieter kommen in die Hufe
In der Spiegel Netzwelt wurde gestern berichtet, dass die PixMeTV (meines Wissens eine Limited-Gesellschaft) mit User-Generated-Porn an den Start gegangen ist. Nach dem AAL-Prinzip (AndereArbeitenLassen) können User hier ihre eigenen erotischen Bilder und Filme hochladen und von PixMeTV an andere Nutzer über das Portal verkaufen. Content kann dabei entweder online subscription-based bezogen (ca. 15 €/Monat) oder (derzeit wohl begrenzt auf UK) über das Handy abgerufen werden. Das Ganze kommt optisch sehr “2.0ig” daher. Die Geschäftsidee ist sicher nicht schlecht, meines Erachtens aber auch noch nicht das Gelbe vom Ei. Trotzdem endlich mal ein Dienst, der optisch nicht wirkt wie eine Seite aus Mitte der 90er-Jahre.
Was ich nicht recht nachvollziehen kann, ist, dass die Adult-/Erotikbranche nicht mehr in diesem Bereich macht. Sind doch sonst immer die Innovatoren schlechthin. Muss ja nicht nach dem AAL-Prinzip gehen. Ich habe ja beruflich (u.a. als Jugendschutzbeauftragter) mit diesem Geschäftsbereich zu tun und wundere mich immer, wie grottig so manche Seiten aussehen (natürlich nicht die von meinen Mandanten). Das ist für jüngere Semester alles andere als ansprechend, würde ich meinen.
Die einzige Seite, die wirklich optisch gut daher kommt, sicher auch eine “junge” Kundschaft hat und eine Nische besetzt, ist die “Suicide Girls“-Seite (Warning: Contains nudity - not safe for work).
Der amerikanische Anbieter bekommt nicht umsonst für diese Seiten auch Nominierungen und Preise aus dem Bereich Web2.0/Social Networks etc. Gibt es keine europäischen Anbieter, die das Thema im Web gleichsam niveauvoll und modern umsetzen? Oder werden hier Trends verschlafen? Das Problem in Europa bzw. vor allem Deutschland ist aber auch der Jugendschutz. Die rechtlichen Vorgaben machen es für Anbieter sehr schwer, gegen internationale Services im Adult-Bereich zu bestehen. Ein rechtskonformes Altersverifikationssystem (AVS) führt leider dazu, dass ein Großteil geneigter Kunden diese Schwelle, die zudem i.d.R. mit einem Medienbruch versehen ist, nicht überschreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass viele deutsche Anbieter die Services mit ausländischen Unternehmen aus dem europäischen Ausland betreiben. Und damit es keiner in den falschen Hals bekommt….Nein. Ich habe nichts gegen die deutschen Jugendschutzbestimmungen an sich. Man muss aber ebenso eingestehen, dass ich im Internet an jeder Ecke “Porn” hinterher geschmissen bekomme. Inwieweit da noch die Jugendschutzbestimmungen praktisch greifen, dürfte eher die Frage sein.
Es gilt nach wie vor das, was mir jemand aus der Branche schon vor 3 Jahren gesagt hatte, als er mich bat, ein Konzept für ein AVS ohne Medienbruch zu erstellen, dass sowohl die Vorgaben des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) und dazu aber noch datenschutzfreundlich sein sollte: Wer so ein System ohne Medienbruch erfindet, kann in DE fast jeden Preis verlangen. Es wäre eine Lizenz zum Gelddrucken. Tja….und bis heute gibt es dieses System aus guten Gründen nicht. Allerdings kommt das SCHUFA-Q-Bit-Verfahren dem schon recht nahe. Das kann aber eben auch nur eingesetzt werden, wenn bei der Lieferung dann besondere Sicherheitsmaßnahmen erfolgen.
To be continued….
1 Comment
September 27th, 2007 at 2:31 pm
schön geschrieben!
lg andi
Leave a Reply