Sex sells - but will Zivity sell?

Ich habe gestern Abend vor einigen Tagen meinen Beta-Test-Zugang für Zivity bekommen.

Zivity hat in den letzten Monaten für viel Furore gesorgt. Hauptgrund hierfür ist wohl, dass die Seite sich zwar nicht unmittelbar mit Sex, aber eben doch mit Erotik in Form von Bildern von Frauen beschäftigt. Man will also offenbar bewusst nicht in die Schmuddel-Ecke, sondern lieber mit einem Softcore-Image und geschmackvollen Bildern punkten. Nach einer IMHO eher mäßigen Vorstellung bei Techcrunch 40 gab es dann gute Presse dadurch, dass einer der Gründerinnen sich auch nicht zu schade war, auf der eigenen Seite “Haut zu zeigen“.

Bei so einem Thema mit Bildern von Frauen mit wenig bzw. keiner Kleidung war klar, dass sich das Interesse um eine solche Internetseite schart, zumal die Gründer aus dem Umfeld kommen, aus dem sonst erotische Inhalte hervorgehen (das gilt für viele Seiten). So wundert es mich auch nicht, dass auf der Warteliste für die “Beta” nach Angaben von Zivity über 20.000 Personen stehen. Wahrscheinlich ist die Seite deswegen ab und an noch etwas “behäbig”, was Ladezeiten angeht.

Die Zivity-Beta ist schön gestaltet (auch die temporäre Public-Seite sieht gut aus). Zivity wird rasant an Usern wachsen. Soviel dürfte klar sein, zumal der Zugang selbst nichts kostet. Das Problem von Zivity ist meiner Meinung nach, dass nicht klar und deutlich wird, warum man eigentlich “voten” sollte. Hintergrund: bei Zivity kann man für Bilder bzw. Bildersets von Fotografen “voten”. Votes muss man kaufen (derzeit z.B. via Paypal - 5 Votes kosten 5 $, 10 Votes 10 $ usw.). Bei jedem Vote erhält der Fotograf des Bildersets 0,80 $. Das wird zwar Anreiz für Fotografen sein, dort gute Fotosets upzuloaden. Ich wage aber zu bezweifeln, dass die User ausreichend “voten” werden, weil der Anreiz dafür möglicherweise fehlt. Die Bilder sind sicher geschmackvoll. Aber man kann sie derzeit nicht herunterladen, wie man meinen könnte, wenn man einen “Vote” investiert. Die Bilder haben zwar keine schlechte Auflösung. Wer aber die etablierten Erotik-Sites wie z.B. Hegre-Archives (ACHTUNG! Nackte Haut! Not safe for work!) kennt, bei der man - im Vergleich - für relativ kleines monatliches Geld Softcore-HD-Videos und Bilder mit einer Auflösung von 6000 Pixeln bekommt, wird sich fragen, warum er dann zu Zivity gehen soll.

Und die, die es etwas alternativer mögen, sind schon seit Jahren beim Platzhirschen “SuicideGirls” (ACHTUNG! Nackte Haut! Not safe for work!) gut aufgehoben.

Man darf also gespannt sein, was mit Zivity wird. Beim Geschäftsmodell habe ich noch etwas Zweifel. Möglicherweise reicht es aber auch einfach aus, wenn man eine kritische Masse an Usern erreicht, um dann notfalls doch auf ein Werbemodell umzusteigen. Ob das dann aber noch für die Content-Anbieter interessant ist, ist eine andere Frage.

Ein deutsches Pendant gibt es derzeit noch nicht. Es gibt allenfalls ein “kleines” Pendant zu SuicideGirls namens KinKats, das seit ein paar Tagen sogar ein Printmagazin herausgebracht hat, an dessen Erstellung auch der hinlänglich bekannte Dirk Behlau (Pixeleye / Blog) mitgewirkt hat. Zu KinKats kann ich ansonsten nicht viel sagen, da ich die Seiten, die kostenpflichtig sind, nicht “von innen” kenne. Die Freetour gibt nicht soviel her, was aber auch mit dem deutschen Jugendschutzrecht zu tun haben könnte (dagegen spricht allerdings, dass ich nichts auf der Seite sehe, was mit einer Altersverifikation zu tun hat).

Wie dem auch sei….man muss Zivity beipflichten, dass sie “Porn 2.0″, auch wenn es streng genommen, kein “Porn” ist, in gesellschaftsfähiger und geschmackvoller Art in einen Web 2.0-Dienst implementiert haben. Ich habe Zweifel am Erfolg, dennoch bleibt es ein neuer und innovativer Ansatz. Ich bin gespannt, wer als nächstes versuchen wird, in der “Erotik”-Ecke etwas Massenfähiges an den Start zu bringen.

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